Wie ich wurde was ich bin: Vom stillen Wasser zur Mensch-Tier-Fotografin

Foto einer Mensch-Tier-Fotografin mit Hund im Wald

Vielen Dank für das schöne Foto von unserem gemeinsamen Coaching an die liebe Diana von HalloLieblingshund. Foto von Diana Mehner, Bearbeitung von mir.

Trommelwirbel und Tadaaa: Hier ist er nun endlich, mein allererster Blogartikel meines Lebens und ich freue mich riesig, dass er heute endlich das Licht des world wide web´s erblicken darf. Schon lange war ein Blog auf meiner Website in Planung – aber wie das halt so ist im Leben kamen immer wieder neue und andere Prioritäten dazwischen und so richtig wusste ich auch nicht wo ich eigentlich anfangen und worüber ich schreiben sollte. Da lief mir vor drei Wochen die BoomBoomBlog-Challenge der lieben Judith von Sympatexter über den Weg und in mir schrie es laut: „Wenn nicht jetzt, wann dann.“

Also einfach mal machen – könnte ja gut werden. Und das vorgegebene Thema könnte für meinen ersten Blogartikel überhaupt nicht passender sein. Trotzdem machte sich in den letzten Tagen immer mal wieder mein innerer Kritiker breit: „Wen soll das schon interessieren. Besonders spannend ist mein Weg ja nicht.“ Aber mit diesen Zweifeln hat Judith wohl gerechnet und immer wieder gekonnt ausgeräumt. Also here we go: Mein Umweg zur Mensch-Tier-Fotografin.

  1. 1992: Endlich Platz für Tierliebe. Ich bin 2 Jahre alt und wir ziehen aus einer zu kleinen Stadtwohnung in Bielefeld in ein kleines Dorf in der Nähe von Detmold am Teutoburger Wald. Mit mehr Platz und einem eigenen Garten zieht bald mein erstes eigenes Haustier „Hasi“ ein. Und ja, er hat wirklich so einen umwerfend kreativen Namen 😉 Nach dem Kindergarten verbringe ich die Nachmittage oft mit meiner Oma, ihren Katzen und ihrem Hund. Wann immer ich bei ihr bin machen wir lange Waldspaziergänge, streifen stundenlang umher, beobachten Wildtiere oder suchen das Versteck vom Osterhasen.
Drei Kinderfotos eines kleinen Mädchens mit braunen Locken
Ich beim Umzug in unser neues Zuhause, beim tatkräftigem Helfen bei der Gartengestaltung und bei einem der ersten Ausflüge in der neuen Heimat
  1. Sommer 1999: Die erste unerfüllte Liebe. Es ist ein warmer, eigentlich ganz normaler Sommertag im Schrebergarten meines Opas, der dennoch alles verändert. In der Nachbarschaft wurden Chihuahua-Welpen geboren und ein kleiner Welpe läuft mir quasi direkt in die Arme. Es ist schlagartig um mich geschehen und ich würde ihn in meinem kindlichen Leichtsinn am Liebsten sofort mitnehmen. Ich sehe die beginnende Hunde-Verliebtheit auch in den Augen meines Papas, aber meine Mama ist gedanklich noch seeehr weit von einem weiteren Haustier entfernt. Wir fahren am Abend wieder nach Hause und ich sitze traurig auf der Rücksitzbank.

  1. Sommer 1999 – Sommer 2000: Es gibt kein Halten mehr. Während meine Mama nicht von ihrer Vernunft abweicht gibt es bei meinem Papa und mir kein anderes Thema mehr. Gelegentlich kommt er nach der Arbeit ungewöhnlich spät nach Hause und riecht irgendwie nach Hund 😀 Meine Neugierde entlarvt ihn als heimlichen Tierheim-Besucher nach Feierabend. Irgendwann knickt meine Mama schließlich ein und wir besuchen an den Wochenenden gemeinsam erste Hunde-Züchter.

  1. 15. März 2000: Benny wird geboren. Ohne unser Wissen wird in Soest auf einem kleinen Bauernhof ein Wurf reinrassiger Chihuahuas geboren. In den nächsten Wochen kommen viele Interessenten und suchen sich ihre Welpen aus. Aber einer der Rasselbande ist irgendwie anders und bleibt übrig. Der kleine Mann ist ungewöhnlich groß und kräftig für einen Chihuahua und hat eigentlich immer Hunger.

  1. Juli 2000: Und es hat Zoom gemacht. Durch eine Zeitungsanzeige werden wir auf den kleinen Außenseiter aufmerksam und verlieben uns sofort. Wenige Tage später besuchen wir ihn in seinem Zuhause und sind sofort schock-verliebt. Meine Mama gibt nach und wir vereinbaren einen Abholungstermin für unseren „Benny“. Ich sitze auf der Rücksitzbank und bin das glücklichste Mädchen der Welt.

  1. August 2000: „Guten Tag, ich möchte bitte 500 Mark von meinem Sparbuch abheben.“ Es ist Mittwoch-Nachmittag. Ich stehe mit meinen 9 Jahren am Schalter unserer örtlichen Sparkasse und plündere mein erstes eigenes Sparbuch. Die Bankangestellte ist verunsichert und möchte meine Eltern anrufen. Die sitzen im Auto und warten quasi nur auf mein Zeichen. Ich bin so stolz auf mein jahrelang gespartes Taschen- und Geburtstagsgeld, dass ich es mir nicht nehmen lassen kann, es auch selbst wieder abzuheben. „Was hast du denn mit so viel Geld vor?“ fragt die Dame. „Ich kaufe mir einen Hund! Die andere Hälfte bezahlen meine Eltern.“ grinse ich stolz und mit rotem Gesicht. Denn mit Fremden oder vor vielen Menschen sprechen, das fällt mir ziemlich schwer.

  1. 29. August 2000: Mein 10. Geburtstag. Benny ist vor einer Woche bei uns eingezogen und stellt unseren Alltag ganz schön auf den Kopf. Und durch meinen ersten eigenen Hund habe ich noch eine zweite neue Liebe gefunden: Unsere Ritsch-Ratsch-Pocketkamera mit 36er Film. Mit Benny zogen also auch jede Menge schwarze Filmdosen und Fotoalben zum Einkleben bei uns ein.
Ein Foto von einem Chihuahua-Welpen und einem Mädchen mit Chihuahua
Benny in seinen ersten Tagen bei uns zuhause und einige Wochen nach seinem Einzug mit mir zusammen
  1. 2000-2008: Das unentschlossene Mauerblümchen. Während meiner gesamten Schulzeit am Gymnasium fühle ich mich irgendwie ein bisschen verloren. Ich bin still und zurückhaltend, nicht unbedingt bei Vielen beliebt und flüchte mich in meiner Freizeit nur zu gern in die Natur. Außerdem weiß ich lange nicht was ich beruflich machen möchte und probiere viele verschiedene Praktika aus. Unter Anderem versuche ich mich als Köchin und Verwaltungsfachangestellte oder träume auch mal von einer Maskenbildnerausbildung am Theater. Für eine Ausbildung beim Zoll bin ich zu klein, zu pummelig und zu schlecht in Sport. Komischerweise ist kein einziger Berufswunsch dabei, der etwas mit Tieren oder der Fotografie zu tun hat. Vielleicht sehe ich gerade den Wald vor lauter Bäumen nicht. Während alle anderen in meinem Jahrgang vermeindlich schon ihren perfekten Berufswunsch gefunden haben, werden meine Eltern langsam nervös.
Jugendliche mit braunen Haaren am Meer mit grüner Landschaft
Ich mit zarten 17 Jahren bei meiner allerersten Flugreise nach Mallorca mit ziemlich wenig Selbstbewusstsein
  1. Sommer 2008: Bienchen, Blümchen und ein alles entscheidendes Praktikum. Durch meinen neuen Freund komme ich mit der ersten Digitalkamera in Berührung und lege sie kaum noch aus der Hand. Ich fotografiere alles was mir über den Weg läuft. Allem Vorran Tiere und Pflanzen. Aus dem neuen Hobby und den Bienchen und Blümchen wird schnell mehr und ich beginne in den Schulferien ein Praktikum bei einer Portraitfotografin. Das Praktikum ist toll, aber mir wird auch bewusst, dass ich zu zurückhaltend und schüchtern bin, um als Portraitfotografin arbeiten zu wollen. Die Auszubildende in meinem Praktikumsbetrieb macht Fotos von mir und Benny, die sogar im Schaufenster des Fotostudios groß auf Leinwänden ausgestellt werden und die ich später geschenkt bekomme – hier komme ich mit meinen ersten Wandbildern in Kontakt, die noch 14 Jahre später das Wohnzimmer meiner Eltern schmücken und mich immer wieder an diese besondere Zeit mit Benny, aber auch dem Finden meines Berufswunsches erinnern werden.

  1. 2008-2009: „Ich werde Fotografin.“ Das Fotografie-Feuer bleibt und ich bewerbe mich „nur mal zum Spaß“ auf einen Ausbildungsplatz zur Produkt- und Werbefotografin in einem Interieurstudio- und kann mich durchsetzen. Nicht gerade zur Freude meiner Eltern gehe ich ein Jahr vor dem Abi vom Gymnasium ab und beginne meine Ausbildung. Aber offengestanden: Was kreativ und abwechslungsreich klingt besteht in der Realität eher aus Fliesen legen, Vitrinen putzen und Lampen schleppen. Für mich ist schnell klar: „Ich brauche etwas Anderes.“

  1. Sommer 2010: Der Wunsch auszubrechen. In der Berufsschule komme ich mit der Food-Fotografie in Berührung und während meine Mitschüler dem aufwändigem und Geduld-forderndem Styling von Lebensmitteln nicht viel abgewinnen können gehe ich darin völlig auf und finde gar kein Ende mehr. (Wenn ich heute zurückblicke dann gestehe ich mir ein: Hinter Lebensmitteln, die stundenlang meine ungeteilte Aufmerksamkeit forderten konnte ich mich halt besser verstecken als vor einer Gruppe fremder Menschen, die Portraits haben möchten.) Eine erneute Praktikums-Suche steht also in den Startlöchern.

  1. Juli 2011: Moin Bremen! Ein kleiner Traum wird wahr. Ich habe es geschafft und einen Praktikumsplatz in einem Bremer Fotostudio für Foodfotografie bekommen. Mit jeder Menge Angst, Mut und Aufregung im Gepäck geht es für mich mit dem Zug von Bielefeld nach Bremen – eine Stadt die für mich Dorfkind mit meinen 21 Jahren riesengroß und überwältigend ist. Zwei Wochen geht mein Praktikum und am Ende steht fest: Ich liebe es! Mein Kampfgeist um einen Job als Foodfotografin ist geweckt. Doch wie bekommen so ganz ohne Berufserfahrung in dem Bereich?

  1. Juli 2012: Alles auf eine Karte! Mein Neuanfang in Bremen. Die Ausbildung ist bestanden und das Abenteuer in Bremen beginnt. Ich war den beiden Geschäftsführern meines Praktikumsbetriebes aus dem letzten Sommer einfach so lange auf die Nerven gegangen, bis sie gar nicht mehr anders konnten als mir eine Chance zu geben. Mein Start in Bremen ist holprig, ich fühle mich schrecklich allein und ich zweifele in den ersten Monaten oft an meiner Entscheidung.

  1. 2013 – 2016: Ich war endlich angekommen. Ich ziehe aus der WG in meine erste eigene Wohnung, es folgt das erste Date mit meinem zukünftigen Mann und auf den Tag 3 Jahre später unsere wunderschöne Hochzeit auf einem 20er Jahre Schiff an der Schlachte in Bremen. Wir erfüllen uns unsere Traum-Flitterwochen auf Mauritius und ich erlebe somit meine erste Fernreise außerhalb von Europa. Ich treffe Affen hautnah und könnte glücklicher nicht sein.
Collage aus drei Bildern mit einer Frau am Meer und einem Affen
Unsere Flitterwochen im Mai 2016 auf Mauritius
  1. Mai 2018: Benny ist stolze 18 Jahre alt, als meine Eltern ihn recht plötzlich gehen lassen müssen. Ich kann in seinen letzten Stunden nicht bei ihm sein und in den Tagen darauf wird mir etwas sehr Schmerzliches bewusst: Ich bin Fotografin und habe in der letzten Zeit gar nicht mehr so wirklich Fotos von ihm gemacht. Job und Alltag hatten mich fest im Griff gehabt und die Konsequenz daraus trifft mich hart.
Foto eines Chihuahuas auf einer Wiese mit Baumstämmen im Hintergrund
April 2011: Eines meiner erschreckend wenigen und letzten Bilder von Benny bevor ich nach Bremen gezogen bin
  1. 2018: Der Sommer der Veränderung. Kurz nachdem Benny über die Regenbogenbrücke gehen musste flattert ein Newsletter in mein Postfach mit einem Workshop-Angebot der Hundefotografin Annett Mirsberger beim Fotofestival Horizonte in Zingst. Mit einem weinenden und lachenden Auge stürze ich mich in den Workshop, liege nass und sandig mit meiner Kamera zwischen zahlreichen tollen Hunden am Strand in Zingst und spüre wie in meinem Herz ein kleines Feuer zu lodern beginnt. Ich buche direkt einen Folgeworkshop bei Annett in Sankt Peter-Ording und beginne zu grübeln, ob die Hundefotografie ein Hobby bleiben soll oder doch tatsächlich ein Nebengewerbe in Betracht kommt. Doch damit nicht genug. Während Ende August nach langer Vorfreude endlich meine Kaninchen Eddy und Fienchen bei uns einziehen schleicht sich gleich noch jemand in unser Leben: Ich bin schwanger mit Neo, der 3 Jahre später genervt sein wird, weil Mama an diesen Blogartikel schreibt, anstatt mit ihm ein Auto zu bauen 😉
Collage aus zwei Fotos mit einer Fotografin am Strand und einem Hund im Wasser
Ich beim Fotoworkshop „Hunde in Action“ in Sankt Peter Ording – heimlich schwanger in der 7. Woche
  1. Januar 2020: Wie soll es weiter gehen? Das erste dreiviertel Jahr meiner Elternzeit ist vorbei und so langsam aber sicher sind wir in unserem Alltag als Familie angekommen. Nachdem ich in den letzten Monaten gar keine Zeit hatte weiter über das Thema Tierfotografie nachzudenken packt mich nun langsam wieder mein Tatendrang. Ich beginne mit einigen Testshootings um mir überhaupt erstmal ein Portfolio aufzubauen und baue mir den Sommer über in vielen langen Nächten meine Website mit dem genialen Online-Kurs von Annika Gievers. (Unbezahlte Werbung aus Überzeugung 😉 ) Die Corona-Pandemie bremst mich aber in meinem Mut zu starten ziemlich aus und so verstecke ich mich eine Weile hinter der Ausrede noch alles mögliche vorbereiten zu müssen. Vermied ich es bisher meist konsequent fotografiert zu werden, gibt es auch hier nun keine Ausrede mehr. Die Website braucht Fotos von mir und dank der Interaktion mit Tieren und meinem Sohn auf den Fotos gelingt es mir auch endlich mich auf den Bildern zu mögen.
Collage aus zwei Bildern mit Fotografin in der Wiese und Frau mit Kind in der Wiese
Sommer 2020: Ich bei einem meiner ersten Test-Shootings und in Elternzeit mit Neo
  1. 1. Februar 2021: Jetzt oder nie! Endlich melde ich mein Gewerbe an, werde sichtbar auf Instagram und Facebook und sterbe innerlich fast vor Aufregung. Voller Vorfreude und gleichzeit Angst vor den ersten Kund*innen starte ich und es passiert: erstmal nichts! Doch nach und nach trudeln die ersten Anfragen und Buchungen ein und ich kann mein Glück kaum fassen, dass Kund*innen mich weiterempfehlen, Folgeshootings buchen und zum Ende des Jahres sogar bei meinem Vorhaben die Bilder auf wunderschönen Fotoprodukten an ihre Wände zu bringen begeistert mitziehen. Habe ich anfangs noch versucht damit durchzukommen, mich als reine Tierfotografin aufzustellen, damit ich möglichst keinen Menschen Anweisungen geben muss, werden die Anfragen für gemeinsame Fotos mit den Tieren immer lauter und ich traue mich immer mehr aus meiner Haut.
Collage aus drei Bildern mit Frau mit Kamera, Kind und Kaninchen in der Wiese
Die ersten offiziellen Fotos mit denen ich mich Anfang 2021 sichtbar gemacht habe
  1. Heute: Bye bye Elternzeit – hallo Entschlossenheit und Selbstbewusstsein! Im letzten Jahr habe ich durch die Selbstständigkeit eine Menge Selbstvertrauen gefunden, mich mehr und mehr getraut und in den letzten Wochen immer wieder darüber nachgedacht, wo ich mit meiner Fotografie hinmöchte. Seit Mai ist meine Elternzeit offiziell beendet und ich arbeite – zwar in Teilzeit, aber trotzdem hauptberuflich – als selbstständige Fotografin. Ich hätte es vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten: Als Mensch-Tier-Fotografin möchte ich ab sofort besonders die Beziehung zu deinem Liebling auf meinen Fotos und besonderen Fotoprodukten verewigen und dir gleichzeitig zeigen wie schön du bist! Denn völlig egal ob klein und kurvig, lang und schlank oder ob die ersten Fältchen schon deine Lebenserfahrung zeigen:  Du bist einzigartig, wunderschön und verdienst Erinnerungen, die dir niemand mehr nehmen kann!

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